Zuchtwert-Informationssystem-Schwein (Sachsen)

Dr. Ulf Müller, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Seit 1995 werden die Zuchtwerte für die Mast- und Schlachtleistungsprüfung in Reinzucht für die Rassen PI, LW und DL mittels der BLUP-Methode geschätzt. In den folgenden Jahren wurde diese Form der Zuchtwertschätzung auch für den Feldtest zur Ermittlung der Kreuzungseignung von Endstufenebern entwickelt sowie für die Ermittlung der Fruchtbarkeitszuchtwerte bei DL. Die Zuchtwerte werden für jedes Tier mit Leistung und für jedes Tier im Pedigree berechnet. Für die zielgerichtete Selektion hat der Züchter damit ein mächtiges Werkzeug in der Hand. Neben dem Umfang der Informationen ist aber auch die Aktualität und die Transparenz der Zuchtwerte wichtig für die Aktzeptanz in der Züchterschaft. In der bisherigen Praxis wurden die Zuchtwerte der Eber einmal im Monat veröffentlicht. Gemessen am Informationsangebot ist das nur ein Bruchteil.

Mit der weiteren Entwicklung der Soft- und Hardwaretechnologie drängen neue Werkzeuge auf den Markt, die neue Formen der Veröffentlichung ermöglichen. Ein derzeit sehr erfolgversprechender Weg stellen Browserlösungen dar. Die zu veröffentlichenden Daten werden dazu in einer Datenbank aggregiert. Diese wird dann auf dem heimischen PC oder im Internet installiert. Mit definierten Browserfenstern kann dann interaktiv auf diese Inhalte zugegriffen werden. In Deutschland wird dieser Weg bereits durch das VIT-Verden bei den Rindern bzw. durch das BLT-Grub bei den Schweinen als Plattform für die Veröffentlichung genutzt.

Im nachfolgenden soll eine durch die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft für die Schweinezucht in Sachsen entwickelte Lösung vorgestellt werden. Mit ihr wird das Ziel verfolgt, die Zuchtwerte aller Tiere (sowohl der gerade geschlachteten als auch der Vorfahren beliebiger Generationen) umfassend zu dokumentieren. Daneben soll der Browser ein Werkzeug zur Entscheidungsfindung in der Selektion und zur Anpaarungsplanung sein, indem er Informationen zusammenfasst, deren Zusammenstellung durch den Züchter zu aufwendig oder nicht möglich ist (z.B. Inzuchtkoeffizient, Ahnentafel).


Abb. 1: Eröffnungsbild

Durch die unmittelbare Anbindung an das Herdbuch werden Zuchttiere als ausgeschieden oder aktiv gekennzeichnet. Diese Aktualität ermöglicht Lösungen bis hin zur Anpaarungsplanung.

 

Über den in Abbildung 1 dargestellten Eröffnungsbildschirm können drei Funktionen genutzt werden:

  • Zuchtwertbrowser
  • Anpaarungsplanung
  • Abstammungsinformation

Der Zuchtwertbrowser hat die Aufgabe, Zuchtwerte für alle aktiven Zuchttiere entsprechend der Rasse darzustellen. Durch die Wahl der Betriebsnummer kann sich der Züchter die Zuchtwerte der eigenen Sauen ansehen. Durch Auswahl eines KB-Station bekommt man einen Überblick über die derzeit in der Station stehenden Eber. Mit dem Setzen bestimmter Kriterien ist es möglich, spezielle Tiere herauszufiltern. In Abbildung 2 werden alle PI-Eber der Station Grimma (16) sortiert nach dem höchsten Zuchtwert in der Prüftagszunahme angezeigt, die sowohl einen positiven Gesamtzuchtwert in der Reinzucht haben, als auch einen positiven Gesamtzuchtwert im Feldtest.

 


Abb. 2: Übersicht über die Zuchtwerte aktiver Zuchttiere

Mit der Auswahl des Namens eines Ebers wird die zweite Funktion des Browsers aktiviert und das Pedigree mit zusätzlichen Informationen aufgebaut. Diese Seite besteht aus zwei Teilen - dem Pedigree (Abb. 3) und einer Übersicht über verschiedene Leistungen (Abb. 4). Im Pedigree werden in den ersten zwei Generationen die Zuchtwerte und der Inzuchtkoeffizient (F) dargestellt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird in den weiteren Generationen auf die Darstellung der Leistungen verzichtet. Durch Anklicken der entsprechenden Nummer erfolgt der Sprung zu den Leistungen des Tieres in der Tabelle. Dort sind für alle Tiere alle verfügbaren Eigenleistungsinformationen und Zuchtwerte dargestellt (Abb. 4).

 


Abb. 3: Pedigree mit Zuchtwerten und Inzuchtkoeffizienten

 


Abb. 4: Tabelle mit den Zuchtwerten und Eigenleistungsdaten in der Abstammung

Das Pedigree kann für jedes beliebige Tier (auch "Dummy-Tiere") erstellt werden, indem entweder eine Tiernummer oder die Nummern von Vater und Mutter eingegeben werden. Das Erzeugen von Dummy-Tieren wird vor allem für der Anpaarungsplanung verwendet. Über die Funktion "Anpaarungsplanung" wird für ein beliebiges weibliches Tier alle möglichen Paarungskombinationen mit aktiven Ebern der gleichen Rasse erstellt. Die ausgewiesenen Zuchtwerte sind die Mittelwerte aus den Zuchtwerten der Eltern. Der Zuchtwert des Dummy-Tieres stellt einen mittleren Erwartungswert dar, der in der Realität im Einzelfall durchaus erheblich von der Voraussage abweichen kann.

 


Abb. 5: Zuchtwerte fiktiver Nachkommen in der Anpaarungsplanung

In Abbildung 5 soll für die Sau mit der Nummer 501157 ein Anpaarungseber gefunden werden. Die Sau selbst hat einen Zuchtwert von -15,5 g in der Prüftagszunahme (PTZ), 0,015 kg/kg Futteraufwand (FuA), 0,85 % Magerfleischanteil u.s.w. Bei Anpaarung an den Eber CanCan könnte bei den Nachkommen mit eine Gesamtzuchtwert von 118,5 rechnen werden. Auch ist zu erwarten, dass die Prüftagszunahme der Nachkommen genetisch 26,8 g über dem Populationsmittel liegt. Zusätzlich kann davon ausgegangen werden, dass 25 % der Nachkommen den MHS-Status NN besitzen werden, da beide Eltern mischerbig sind. Durch Anklicken der gewünschten Verpaarung wird das entsprechende Pedigree aufgebaut. Dort stehen dann weitere Informationen zur Verfügung (Abb. 3). Für die Anpaarung selbst empfehlen sich mehrere Eber. Welcher letztlich eingesetzt wird, ist von der Zuchtstrategie des Züchters abhängig und von anderen Informationen wie Rahmen, Typ oder Fruchtbarkeit.

 

Mit dem Informationssystem hat der Züchter ein sehr mächtiges Werkzeug in der Hand, da aktuelle und umfassende Informationen auf einfache Art und Weise in der züchterischen Arbeit verwendet werden können.