Das Krisenjahr 1999 – Analyse sowie Prognose für 2000

Dr. G. Hallfarth, Geschäftsführer des Sächsischen Schweinezuchtverbandes e.V.

Zur Jahreswende 1998/1999 war man sich in Fachkreisen darüber einig, daß mit der Tiefpreisphase im November 1998 das schlimmste ausgestanden sei. Doch es kam ganz anders. Ein EU-weites überreichliches Schweineangebot und begrenzte Absatzmöglichkeiten ließen im Januar den Durchschnittspreis von 1,87 DM auf 1,49 DM je kg Schlachtgewicht abfallen. Somit lagen die Preise unter dem Rekordtief von November 1998. Die Marktentlastung über eine Nahrungsmittelhilfe für Rußland kam leider nur sehr schleppend in Gang, da die Preise bis Mitte Mai 1999 sich im Durchschnitt unterhalb der 2,00 DM-Marke bewegten. Mit jeder geringfügigen Preiszunahme stockte sofort der Export, so daß die Preisschwäche permanent anhielt und wochenlang um 1,80 DM je kg Schlachtgewicht pendelte. Erst mit dem Dioxinskandal in Belgien kam es zu einer Verknappung des Angebotes auf dem EU-Markt. Jedoch führte der starke Druck von belgischen Schlachtschweinen auf den deutschen Schweinemarkt zu einer sehr ungünstigen Situation, die eine baldige Preiserholung in die Ferne rücken ließ.

Im II. Halbjahr kam es Schritt für Schritt zu sehr umfangreichen Lieferungen nach Rußland. Dies war trotz einer drastischen Abwertung des Rubels möglich, weil die Preise am deutschen Markt als auch in der EU insgesamt auf sehr niedrigem Niveau lagen und die EU - Kommission ausgesprochen hohe Exporterstattungen gewährte. Jedoch wurden im Zeitraum August/September diese Erstattungen drastisch reduziert, in deren Ergebnis Exporte nach Rußland nicht mehr besser gestellt waren.

Zum Jahresende 1999 befanden sich insgesamt in Deutschland 182.000 t Schweinefleisch in Kühlhausern. Ziel war, über eine bezuschußte private Lagerhaltung eine Marktentlastung herbeizuführen, die jedoch nur von vorübergehender Wirkung war. Insgesamt war für die EU ein Umfang in der Größenordnung von 420.700 t beantragt worden. Diese riesige Kapazität an Lagerbeständen belastete den Schweinepreis bis zum Jahresende.

Im Ergebnis der Wirkung dieser wichtigen genannten Einflußfaktoren lag der Schweinepreis im Jahreszeitraum 1999 im Durchschnitt aller Handelsklassen bei 2,08 DM je kg Schlachtgewicht. Damit haben die Mäster im Vergleich zum Vorjahr 0,14 DM je kg und im Vergleich zum Spitzenjahr 1997 1,19 DM je kg weniger erlöst. Die Entwicklung der Preise ist in Tabelle 1 aufgeführt.

Tab. 1: Preise für Schlachtschweine in Deutschland

DM/kg Schlachtgewicht – ohne MWSt. und Einkommensausgleich

 

Æ E – V

Æ E - P

Zeitraum

1993

1994

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Jan./März

2,49

2,37

2,40

2,76

2,80

2,91

2,68

1,77

April/Juni

2,52

2,64

2,68

2,70

3,32

3,75

2,43

2,06

Juli/Sept.

3,42

2,69

2,72

2,82

3,59

3,51

2,15

2,39

Okt./Dez.

2,40

2,58

2,60

2,73

2,90

2,95

1,72

2,14*

Jan./Dez.

2,46

2,57

2,60

2,75

3,14

3,27

2,22

2,08*

* Durchschnitt Oktober/November; Januar/November

Quelle: BML, Info. vom 21.12.1999

Die Bruttoeigenerzeugung im Jahr 1999 liegt mit voraussichtlich 41,8 Mio. Tieren um 6% über dem Vorjahresergebnis. Der Gesamtimport lebender Schweine nahm infolge wiederholter Zuführungen von Ferkeln und Schlachtschweinen aus den Niederlanden spürbar zu. Andererseits wurden die Ausfuhren lebender Schweine trotz deutlicher Steigerungen nach Österreich und Spanien stark eingeschränkt, da der Ferkelexport nach Frankreich fast völlig zusammenbrach.

Infolge geringerer Schlachtgewichte von 92 kg nahm die Bruttoeigenerzeugung an Schweinefleisch weniger intensiv zu und erreichte 3,9 Mio. t bzw. 5,2% mehr als 1998. Bei gleichzeitig rückläufigen Fleischeinfuhren und höheren Ausfuhren lag der Gesamtverbrauch mit 4,7 Mio. t um knapp 2% über dem Vorjahr. Der Pro-Kopf-Verbrauch betrug 41,1 kg und der Selbstversorgungsgrad stieg auf knapp über 84%. In der EU stieg die Eigenerzeugung auf 18 Mio. t und erreichte einen Selbstversorgungsgrad von über 107%.

Als Parameter der Wirtschaftlichkeit konnte sich der futter- und ferkelkostenfreie Erlös für Mastschweine zum Jahresende hin etwas erholen und erreichte im Jahresdurchschnitt 35,00 DM, und blieb damit ca. 11,00 DM unter dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Die Produktionskosten in der Ferkelerzeugung konnten nicht gedeckt werden, da der futterkostenfreie Erlös mit 25,00 DM nur bei etwa 50% des langjährigen Durchschnitts lag.

Erzeugung und Ausblick auf das Jahr 2000

Die Entwicklung und die Struktur der Schweinebestände läßt erwarten, daß die Bruttoeigenproduktion im Jahr 2000 im EU-Rahmen geringer als im Vorjahr ausfällt. Man kalkuliert mit 2% Rückgang in der Schlachtschweineproduktion und mit einem Rückgang von 1,3% in der Bruttoeigenerzeugung an Fleisch. In fast allen Mitgliedsstaaten ist mit einem Rückgang der Schlachtungen zu rechnen. Die sinkenden Exporterstattungen stehen jedoch einer sehr positiven Preiserholung entgegen. Die Warenterminbörse Hannover notiert derzeit für Juli 2000 Kurse um 2,60 DM je kg Schweinefleisch.

Zur Entwicklung in Sachsen

Ungeachtet der sehr komplizierten Lage ist es durch eine sehr konstruktive Tätigkeit der Mitgliedsbetriebe unseres Zuchtverbandes am Markt gelungen, den Einfluß unserer Organisation nicht nur zu stabilisieren sondern sogar auszubauen. Derzeit sind nahezu 400 schweinehaltende Unternehmen und Betriebe Mitglied in unserem Verband. Mitwettbewerber konnten weiter zurückgedrängt werden und verloren an Einfluß. Sehr erfreulich ist, daß die sächsischen Betriebe alles versucht haben, die Schweinezucht und –produktion aufrecht zu erhalten. Der Schweinebestand in Sachsen fiel Anfang November 1999 mit 632.798 Tieren nur um 0,2% geringer aus als ein Jahr zuvor. Als problematisch ist jedoch der Reproduktionsverlauf in den Sauenbeständen einzuschätzen. Viele unproduktive Sauen wurden weiter genutzt und blockierten höhere Ergebnisse in der Zuchtleistung der Bestände. Ungeachtet dessen wurde, wie in Tabelle 2 dargestellt, erstmals ein Wert von über 20 aufgezogenen Ferkeln je Sau und Jahr erreicht.

Tab. 2: Ergebnisse der Ferkelerzeugerbetriebe von 1995 bis 1999

 

Einheit

1995

1996

1997

1998

1999

Anzahl Betriebe

Stück

115

113

117

118

104

Anzahl Sauen

Stück

50.442

53.886

57.342

61.740

59.709

Geborene Würfe

Stück

106.049

112.977

122.122

135.598

132.596

Lebend geb. Ferkel/Sau

Stück

21,82

21,60

22,07

23,17

23,60

Verluste

%

13,37

13,06

13,85

13,05

13,04

Aufgez. Ferkel/Sau/Jahr

Stück

18,73

18,64

19,18

19,88

20,41

Quelle. LKV Sachsen/Sächsischer Schweinezuchtverband e.V.

Zwar ist die Differenziertheit der 104 in die Leistungsanalyse einbezogenen Betriebe nach wie vor sehr hoch, jedoch stellt dieser Wert ein Spitzenergebnis im Vergleich der deutschen Bundesländer dar. Dies ist um so höher zu werten, da 85% des sächsischen Sauenbestandes unter Leistungskontrolle stehen und damit eine außerordentlich repräsentative Aussage über das Leistungsprofil der Landeszucht gegenüber vergleichbaren Beständen anderer Bundesländer möglich ist.

Auch die Ergebnisse der Schweinemast, dargestellt in Tabelle 3, zeigen einen positiven Trend in Zunahme und Fleischanteil.

Tab. 3: Ergebnisse der Ringauswertung Schweinemast von 1995 bis 1999

 

Einheit

1995

1996

1997

1998

1999

Anzahl Betriebe

Stück

31

34

35

41

36

Verkaufte Schweine

Stück

322.421

365.223

391.097

428.039

457.906

Verluste

%

4,6

4,3

3,7

3,4

3,5

Zunahme

g/Tag

628

627

647

671

680

Lebendgewicht

kg/Tier

111,2

111,3

113,4

114,4

113,9

Muskelfleischanteil

%

54,9

55,0

55,0

55,4

55,6

Preis/Ferkel

DM/Stück

99,96

118,35

129,81

83,63

69,08

Erlös

DM/Stück

236,27

272,25

290,84

198,18

179,81

Quelle: LKV Sachsen

Mit einer weiteren notwendigen genetischen Vereinheitlichung des Sauenbestandes in der Ferkelerzeugung werden wesentliche Voraussetzungen für noch homogenere Endprodukte zu schaffen sein. Dies ist zwingend notwendig, um die nach wie vor praktizierten drastischen Preisabschläge unterhalb von 56% FOM möglichst zu vermeiden. Die zielgerichtete Remontierung der Bestände ist in vielen Fällen noch eine wichtige Reserve.

Ergebnisse der Absatztätigkeit

Wie bereits erwähnt führte die angespannte Markt- und Preissituation zu einem Rückgang der Umsatzzahl bei Zuchtschweinen. Trotz weiter gewachsenem Qualitätsniveau konnten insgesamt nur 81% des Vorjahresumsatzes an Tieren erreicht werden. Die Tabelle 4 zeigt den Zuchtschweineumsatz in den einzelnen Kategorien.

Tab. 4: Zuchtschweinehandel per 31.12.1999

 

12/1995

12/1996

12/1997

12/1998

12/1999

Jungsauen

10768

12972

15985

15716

12590

tragende Sauen

378

550

1227

1262

691

Läufer

156

1786

4808

4090

3854

Eber

239

232

264

288

228

Gesamt

11541

15540

22284

21356

17363

Es wird deutlich, daß insbesondere bei Jungsauen mit einem Rückgang um 3.100 Tieren ein Schwerpunkt der genannten Problematik liegt. Ungeachtet dessen möchte ich unseren Herdbuch- und Vermehrungszüchtern für ihre sehr gute Arbeit danken, zumal die Preise für Jungsauen keine Rentabilität im Betriebsergebnis ermöglichten. Wie die Tabelle 5 zeigt, lag der Jungsauenpreis um 140,00 DM unter dem Vorjahreswert, der der tragenden Sauen um 130,00 DM unter der Vorjahreslinie.

Tab. 5: Umsatzverlauf im Zuchtschweinegeschäft der Jahre 1996 – 1999

 

Eber

Jungsauen

 

1996

1997

1998

1999

1996

1997

1998

1999

Anzahl

232

264

288

228

12972

15985

15716

12590

Umsatz (TDM)

278,7

346,5

397,2

248,3

6000,1

7615,6

7412,9

4168,2

Æ -Preis (DM)

1201,0

1312,5

1379,0

1089,0

462,0

476,0

472,0

331,0

 

Läufer

tragende Sauen

 

1996

1997

1998

1999

1996

1997

1998

1999

Anzahl

1786

4808

4090

3854

550

1227

1262

691

Umsatz (TDM)

561,8

1425,7

1118,6

716,2

395,4

860,1

875,4

388,2

Æ -Preis (DM)

315,0

297,0

273,0

185,8

719,0

701,0

694,0

561,8

Dezember

1994

1995

1996

1997

1998

1999

Insgesamt umgesetzte Tiere

8711

11541

15540

22284

21356

17363

Umsatzvolumen (TDM)

3884,7

5415,4

7236,0

10247,9

9845,8

5520,9

Mit den erreichten 5,5 Mio. DM Umsatz im Zuchtschweinegeschäft fehlen unseren Zuchtbetrieben gegenüber 1998 4,3 Mio. DM an Erlösen. Ungeachtet dessen ist im Vergleich zu anderen Zuchtvereinigungen und Zuchtunternehmen die Rückläufigkeit noch relativ gering. Jedoch gibt es auch Verbände, die bei gleicher Marktproblematik nahezu Stabilität erreicht haben. Die Ursachen liegen vor allen Dingen in ihrer anderen Strukturierung der Ferkelerzeugung. Erfreulich ist, wie Tabelle 6 zeigt, daß wiederum 7.413 Zuchttiere in andere Bundesländer ausgeführt werden konnten. Ein weiterer Beweis für die Qualitätsproduktion unserer Züchter.

Tab. 6: Zuchtschweinelieferungen an andere Bundesländer sowie Export im Jahr 1999

 

Nordrhein-Westfalen

2962

 
 

Brandenburg

2804

 
 

Bayern

632

 
 

Thüringen

456

 
 

Rheinland-Pfalz

343

 
 

Sachsen-Anhalt

120

 
 

Hessen

77

 
 

Baden-Württemberg

2

 
 

Mecklenburg-Vorpommern

1

 
 

Export:

Österreich

 

11

 
 

Lettland

5

 
 

Insgesamt:

7413

 

Sehr positiv ist die Produktion und der Verkauf von Ebersperma aus unseren beiden Stationen in Kamenz und Grimma zu bewerten. Gegenüber dem Vorjahr wurden der Absatz um 5% gesteigert und auf insgesamt 341.500 Portionen erhöht. Im Fazit heißt das, in den letzten beiden Jahren erfolgte eine Steigerung im Absatz um nahezu 50.000 Portionen. Mit dieser Steigerung konnte der Preisdruck auf die Spermaportion, resultierend aus den ungünstigen Ferkelpreisen, abgefangen werden. Es entwickelt sich zunehmend eine stabile Absatzorientierung auch an Ferkelerzeuger in anderen Bundesländern, insbesondere an solche Betriebe, die bereits Sauen unseres Zuchtverbandes erwarben. In Tabelle 7 ist die Entwicklung des Verkaufs von Ebersperma der letzten Jahre dargestellt.

Tab. 7: Entwicklung des Eberspermaabsatzes

Jahr

Anzahl Portionen

%

1991

278.734

 

1992

285.465

100,0

1993

275.048

96,4

1994

248.248

87,0

1995

244.659

85,7

1996

254.372

89,1

1997

292.877

102,6

1998

325.467

114,0

1999

341.483

119,6

Der Sächsische Schweinezuchtverband e.V. arbeitet gemeinsam mit dem Schweinezucht- und Produktionsverband Sachsen-Anhalt e.V. perspektivisch an der Herausbildung einer gemeinsamen Züchtervereinigung. Diese strukturellen Veränderungen werden sich unabhängig von spezifischen Problemen der einzelnen Verbände aufgrund der ökonomischen Zwänge durchsetzen. Eine gemeinsame Absatzorganisation - die Mitteldeutsche Zuchtschweineerzeugergemeinschaft w.V. - nahm bereits ihre Tätigkeit auf. Viele Substitutionseffekte werden genutzt über die bereits derzeit gemeinsam stattfindende Führung der Herdbücher und die Bearbeitung der Buchführungs- und Haushaltsaufgaben. Beide Verbände sind optimistisch, in den nächsten Monaten den Mitgliederversammlungen die notwendigen Beschlüsse für eine gemeinsame Organisation vorlegen zu können.

Die Entwicklung der Ergebnisse im züchterischen und genetischen Bereich werden in den nachfolgenden Beiträgen dieser Sachsen Post dargestellt werden.

Ich möchte Sie aufrufen auch weiterhin in dieser bewährten konstruktiven und vorteilhaften Zusammenarbeit unsere Organisation zu stärken und gemeinsam nach solchen Lösungen zu suchen, die die Wirtschaftskraft zum beiderseitigen Vorteil in Ihren Unternehmen stärken.

Dazu wünsche ich Ihnen und uns viel Erfolg und gute Gesundheit.